Optometrie

KI-Analyse der Netzhaut unterscheidet ALS und Alzheimer

Gehirn
Ablagerungen in der Netzhaut könnten künftig Hinweise auf neurodegenerative Erkrankungen liefern.
Unsplash / milad fakurian
veröffentlicht am
13. April 2026
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Ein Forschungsteam der Universität Waterloo (Kanada) hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Ablagerungen in der Netzhaut möglicherweise zur Differenzierung neurodegenerativer Erkrankungen nutzen lassen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht. Im Fokus stehen zwei Proteine: Amyloid Beta, das mit der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung steht, sowie TDP-43, das bei Erkrankungen wie der frontotemporalen lobären Degeneration (FTLD) und der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) eine Rolle spielt. Die Forschenden analysierten, wie diese Ablagerungen mit polarisiertem Licht interagieren. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Proteinarten. Mithilfe von Machine-Learning-Verfahren konnten die Ablagerungen anschließend mit hoher Genauigkeit klassifiziert werden: Ein Random-Forest-Modell erreichte rund 86 Prozent Genauigkeit, ein neuronales Netzwerk sogar über 96 Prozent.

Die Datengrundlage basiert auf postmortalem Gewebe von insgesamt sechs Personen. Die Retina wurde dabei als potenziell zugänglicher Biomarker für neurodegenerative Erkrankungen untersucht. Die Studienautorinnen und -autoren sehen in dem Ansatz eine mögliche Grundlage für zukünftige diagnostische Verfahren. Da es sich jedoch um eine experimentelle Studie mit kleiner Stichprobe handelt, sind klinische Anwendungen derzeit noch nicht absehbar. Weitere Studien müssen zeigen, ob sich die Ergebnisse auf lebende Patientinnen und Patienten übertragen lassen. „Wir hoffen, dass sich diese Technologie innerhalb weniger Jahre zu einem einfachen Sehtest entwickeln wird, der in der Lage ist, verschiedene Hirnerkrankungen zu erkennen und zu unterscheiden. Und damit Patienten in kleineren, unterversorgten Gemeinden Zugang zu dieser Art von Tests ermöglicht wird“, betonte Dr. Melanie Campbell, emeritierte Professorin für Physik und Optometrie. „Derzeit werden FTLD und ALS erst diagnostiziert, nachdem Symptome aufgetreten sind, was oft bedeutet, dass die Krankheit bereits fortgeschritten ist", erklärt Campbell weiter. Die Möglichkeit, diese Erkrankungen früher zu erkennen, könne die Art und Weise, wie wir sie behandeln, grundlegend verändern.

Hier finden Sie den Link zur Studie.

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